Die Kirche in Uentrop

Die Uentroper Dorfkirche ist nachweislich die zweitälteste Kirche in Hamm.
Leider sind die detaillierten Akten während des 30jährigen Kriegs (1618 - 1648) durch einen Blitzeinschlag im "Haus Uentrop" verbrannt, doch lassen sich durch andere historische Quellen und typische Merkmale der Architektur zahlreiche Fakten zur Kirchengeschichte belegen.

Ein Rundgang

Foto: K. Miedtank

Der kleine, idyllische und mit viel Liebe gepflegte Friedhof des Gemeindebezirks Uentrop lädt zum Nähertreten ein. 
Durch das doppelflügelige Tor geht man direkt auf den Eingang der recht kompakten, erhaben wirkenden Kirche zu.

Die Uentroper Kirche steht in West-Ostrichtung. Viele alte Kirchen haben den Eingang durch den Turm auf der Westseite. Nur der Gutsherr, auch ehemaliger Patronat der Kirche, benutzte einen Seiteneingang. Es ist nicht nachweisbar, ob dies auch in früheren Jahrhunderten der Fall war.

Die Kirche wird heute durch die Tür in der Südseite betreten - der alte Eingang auf dem östlichen Portal wurde 1967 im Zuge der Renovierung zugemauert. Der alte Eingang vom Kirchenschiff zur Turmhalle in der Nordwand rechts neben der Orgel ist bis heute unverändert geblieben.

Foto: Heinz Feußner

Im schlicht gehaltenen Innenraum befindet sich auf der rechten Seite der historische Taufstein aus Sandstein, dessen Alter nicht genau belegt ist.
Unter dem ornamentalem Abschlussfries mit Palmettenblättern ist eine eckige Nische mit zugespitzem Bogen eingemeißelt, darin die Figur eines Ritters in Kettenhemd, Lederwams und Topfhelm. In der rechten Hand hält er das gezogene Schwert, in der linken den Schild. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den HL. Georg, der seit den Kreuzzügen einer der beliebtesten Schutzpatrone des Mittelalters war.

Foto: R. Lining

Darüber wurde das Emblem der heutigen Trinitatis-Gemeinde angebracht, eine gelungene Symbiose aus Historie und Moderne.

Auf der linken Seite trennt die eher zierliche Kanzel das Kirchenschiff vom Chorraum, dessen Portal den Blick auf den Altar freigibt. Farbenfrohe Fresken und geschwungene Verzierungen und Gewölbeausmalungen umrahmen eindrucksvoll das Hauptfenster. 

Foto: R. Lining

Foto: R. Lining

Hinter der Kanzel befindet sich ein großes Wandrelief, das die Wappen der Adelsherren seiner Zeit trägt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: R. Lining

Am Ende des Kirchenschiffs lädt die "Stille Ecke" mit einigen Reliquien zur inneren Einkehr ein.

 

 

 

 

Baugeschichtliches

Der älteste Teil der Kirche ist zweifellos der quadratische Westturm, der dem 11. oder 12. Jahrhundert zugeschrieben wird.
Vermutlich war eine schmale, romanische Saalkirche aus der gleichen Zeit östlich angebaut, auf der Ostwand des Turms ist noch die ehemalige Dachlinie des ursprünglichen Anbaus erkennbar, darüber befindet sich jetzt ein vermauertes Rundbogenfenster.

Der Turm hat die äußeren Maße 7,50 m x 7,05 m mit einer unteren Mauerstärke von 1,25 m und einer Höhe von 15 m bis zur Dachtraufe.

Heute schließt sich an der Ostseite des Turms ein 9,50 m breites und 16 m langes Kirchenschiff an mit einer Höhe von 7 m bis zur Traufe. Das 8 m hohe Satteldach stammt aus dem 16. Jahrhundert.

In den 1960er Jahren drohte das locker gewordene Mauerwerk des Turms abzugleiten, umfangreiche Renovierungsmaßnahmen wurden angegangen.
Bei der Stabilisierung des Turms wurden alle drei Schallöffnungen auf der Süd- und Nordseite wieder geöffnet.
Auf der Südseite lässt ein Rundbogen auf einen alten Zugang zum Turm schließen, der aber vermauert ist, sodass der Turm nur vom Kirchenschiff aus durch den bis zum Boden reichenden hölzernen Glockenstuhl zu betreten ist.

Im Zuge der Renovierungsarbeiten wurde der Osteingang zur Kirche vermauert. Er war in früheren Zeiten den Patronatsherren auf Haaren und nach deren Aussterben 1783 den Reichsfreiherren von der Recke zu Uentrop vorbehalten. Der Westeingang wurde unter das darüber liegende Fenster versetzt.

Kirchenschiff und Chor sind im Inneren durch einen weiten Spitzbogen voneinander getrennt. Der Chor ist klar der ältere Teil, das Maßwerk seiner Fenster lässt auf eine Entstehung um 1470 schließen, während das Kirchenschiff dem Fenstermaßwerk nach um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert gebaut wurde.

Seit 1870 wird die Spitze des Kirchturms von Kugel, Kreuz und Hahn gekrönt, die gemeinsam gestiftet wurden von dem damaligen Pfarrer Friedrich Franz Neuhaus und einem „Israeliten und Viehhändler aus Kamen“, der „mit diesem Geschenk dem Herrn Zebaoth ein Dankopfer bringen wollte für den reichen Segen, der ihm durch viele Jahre auf den angepachteten Fettweiden des Rittergutes Uentrop zu Theil geworden“(Friedrich Franz Neuhaus, „Chronik des Kirchspiels Uentrop“, 1880).

Die Turmuhr ist eine weitere Kostbarkeit der Uentroper Kirche, sie wurde 1723 vom Uhrmacher Diedrich Schmalt zu Herzebrock in handwerklicher Meisterarbeit gefertigt.
Der Standort ist ein kleiner Holzverschlag im ersten Obergeschoss.

Zuletzt verhalf der Restaurator Otto aus Melle der alten Uhr 1991 wieder zu neuem Leben, und so schlug sie erstmalig wieder zum Gemeindefest im selben Jahr. Ein elektrischer Uhraufzug löste nun das alte System (Handkurbel und als Gegengewichte Steine, die an zwei Drahtseilen befestigt waren) ab.

Zwar hat der alte Zeitmesser kein Ziffernblatt, doch wegen einer vorhandenen aber überflüssigen Achsbefestigung liegt eher die Vermutung nahe, dass es ursprünglich ein Ziffernblatt gab.

(Quelle: Alte Kirchen in Hamm, Jerrentrup / Peter / Feußner)

Wandmalereien

Während der Renovierungsarbeiten 1966-1968 wurden bemerkenswerte Wandmalereien aus dem späten 15. Jahrhundert freigelegt.
An den Wänden des Chores entdeckte man einen Apostelzyklus in fragmentarischem Zustand, der der Entstehungszeit des Chores zuzuordnen ist.
Die Apostel stehen vor den gemalten Wandbehängen an der Ostwand, an der Südwand ist der Drachenkampf des Hl. Georg dargestellt und an der Nordseite ein Engel mit Monstranz.
Da eine ebenfalls beeindruckende Gewölbeausmalung aus jüngerer Zeit noch gut erhalten war, wurden die darunter liegenden Malereien nur in kleinen Partien aufgedeckt.

Foto: Heinz Feußner

Die jüngere Ausmalung entstand etwa um 1550 und enthält im Chorgewölbe Darstellungen aus der Schöpfungsgeschichte: Die Erschaffung der Pflanzen und Tiere, die Erschaffung Evas, der Sündenfall und Luzifers Höllensturz.

Der Stern auf dem Schlussstein versinnbildlicht, dass Gott alles zusammenhält.

(Quelle: Heinrich Graevinghoff, Das Bauwerk der Evangelischen Kirche zu Uentrop)

Glocken

Im Hammer Stadtgebiet haben nur die Uentroper Kirche und die St.-Victor-Kirche in Herringen als einzige ein komplett erhaltenes, altes Dreiergeläut.
Die große Glocke von 1505 ist eine Arbeit der Dortmunder Werkstatt, zu erkennen an ihrem charakteristischen Blattfries unterhalb der Schulterinschrift. Allerdings stammt sie nicht von deren Hauptvertreter, Johannes von Dortmund, sondern von einem seiner direkten Nachfolger, der das typische Dekorationsschema weiter benutzte.

Die zweite Glocke ist vermutlich im frühen 15. Jahrhundert entstanden. Sie ist ein Einzelstück, zu dem bisher keine Vergleichsbeispiele aufgefunden werden konnten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt diese schlicht dekorierte, gotische Glocke eine neue Krone.

Die kleinste Glocke von 1771 hängt noch am damals eingebauten originalen Holzjoch. Sie ist ein Werk von Johann Michael Stocky, dem letzten Glockengießer, der im Dienst des Hochstifts Münster stand.

Seine Gießermarke mit Glocke und Kanone ist auf der Flanke der Glocke angebracht. In der Inschrift gewährleistet der Gießer, dass die Glocke in den nächsten drei Jahren nicht an Gewicht verlieren werde.

Die Glockenstuhlanlage im Turm der Kirche ist die größte des heutigen Stadtgebietes. Es handelt sich um einen sogenannten Drei-Felder-Bockstrebenstuhl, der auf einem frei im Turm stehenden, viergeschossigen Unterbau ruht.

Früher hingen die Glocken ruhig und wurden mit dem Klöppel von Hand angeschlagen. Um die Glocken, wie später üblich, schwingend läuten zu können, mussten eiserne Aussteifungen eingebaut werden.

1987 wurden aufgrund jahrzehntelanger Einwirkung von Feuchtigkeit und Schmutz umfangreiche Sanierungsarbeiten am Glockenstuhl durchgeführt.

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