Sehnsucht nach Mee(h)r!

Egal, ob man jetzt Urlaub hat oder nicht: In uns ist diese Sehnsucht.
Nach Wind und Weite, nach einer Pause im anstrengenden Alltag.
Nach ein bisschen Leichtigkeit und Lebensfreude.
Das Alltagsbündel einmal ablegen und frei sein.
Durchatmen, Kraft schöpfen. Zur Ruhe kommen.

Und dann ist in diesem Jahr doch alles so ganz anders.
Die größte Sehnsucht ist wohl die nach Normalität.
Wir sind so dünnhäutig geworden, so bedürftig.
Mehr denn je spüren wir die Zerbrechlichkeit des Lebens.
Wie kostbar ist doch jeder schöne Moment!
Wenn doch bloß alles wieder stabil wäre!

Am Altar der Trinitaskirche hängt heute ein großes Tuch mit einem Bild vom Meer.
Das sieht schön aus. Und in der Ecke stehen ein paar Lichter und ein großes Herz, mit einem Riss darin: Die Zerbrechlichkeit des Lebens, die wir im Moment so deutlich spüren.

 „Da ist ein Riss (ein Sprung) – in allem, in jedem.“ Mir ist dazu dieser Liedtext von Leonard Cohen eingefallen. Er kannte die Gebrochenheit von Mensch und Welt, wie sie manchmal ist, und er fand trotzdem Hoffnung: „Da ist ein Riss (ein Sprung) – in allem, in jedem. Aber dadurch kommt das Licht herein.“

Was für ein schöner Gedanke auch für uns heute: durch alle Risse und alles Gebrochene hindurch, durch alles Verpasste und Vermisste kann doch das Licht noch hell genug scheinen und Gottes Gnade aufleuchten.
Denn die Gnade Gottes ist jeden Morgen neu.
Sie hilft uns, immer wieder neu anzufangen und die Hoffnung zu behalten.

Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen
geh mit seinem Frieden, was auch immer du tust!  So heißt es in einem Lied.
 
Eine schöne Sommerzeit, ganz egal, wo Sie sind,  
und bleiben Sie behütet,
wünscht Ihnen Pfarrerin Ulrike Kreutz